Von permanent fluchtbereit zur ziemlich coolen Socke
- Ramona Moschinger

- 18. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Die Entwicklung von Irys – vom „Problempferd“ zum verlässlichen Partner!
Der Begriff „Problempferd“ klingt immer sehr negativ – und ehrlich gesagt mag ich ihn selbst nicht besonders. Trotzdem verwende ich ihn manchmal, weil er beschreibt, dass es ein Problem gibt. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieses durch den Menschen entstanden ist, körperliche Ursachen hat oder andere Auslöser dahinterstecken. Es bedeutet lediglich: Irgendetwas funktioniert gerade nicht.
Wie Irys zu mir kam
Als Irys zu mir ins Training kam (Herbst 2025), war er ein Pferd, das dauerhaft unter Anspannung stand.
Er war extrem schreckhaft, bei jedem ungewohnten Geräusch sofort in Alarmbereitschaft und ständig auf Flucht eingestellt. Seine Augen waren häufig weit aufgerissen, oft war das Weiße im Auge deutlich sichtbar. Schon Kleinigkeiten reichten aus, um Panik auszulösen. In solchen Momenten blendete er den Menschen komplett aus.
Zusätzlich ließ er niemanden mehr aufsteigen und war insgesamt kaum noch ansprechbar.
Drei Monate später
Nach drei Monaten Training zeigt sich ein völlig anderes Bild.
Heute ist Irys ein Pferd, das:
sich selbst regulieren kann,
aufmerksam und konzentriert mitarbeitet,
auf feine Körpersprache reagiert,
sich am Menschen orientiert,
wieder reitbar ist.
Mein Trainingsweg
Mein Gelassenheitstraining hat nichts mit wildem Desensibilisieren zu tun.
Wir haben nicht hundertmal das Aufsteigen geübt oder ausschließlich an den offensichtlichen Problemen gearbeitet. Ich habe Irys nie zu etwas gezwungen und niemals mit Druck gearbeitet.
Stattdessen stand eine vertrauensvolle Basisarbeit im Mittelpunkt.
Ein großer Schwerpunkt war es, angestauten Stress loszulassen – und zwar in den unterschiedlichsten Alltagssituationen:
in der Box
auf der Stallgasse
in der Halle
an der Aufstiegshilfe
und überall dort, wo Anspannung entstand.
Denn nur wenn ein Pferd lernt, Stress wirklich abzubauen, kann nachhaltige Veränderung entstehen.
Was Pferde wie Irys wirklich brauchen
Gerade Pferde mit belastenden Erfahrungen brauchen vor allem:
Zeit und Geduld
Feingefühl für kleinste Stressanzeichen
Menschen, die rechtzeitig einen Schritt zurückgehen, wenn neue Anspannung entsteht
Aufgaben, die in viele kleine, erfolgreiche Teilschritte zerlegt werden
das Akzeptieren von Grenzen
die Möglichkeit, das „Stressfass“ nach und nach zu leeren.
Nicht Schnelligkeit bringt den Erfolg, sondern Sicherheit durch kleine Schritte!
Die größte Veränderung
Besonders beeindruckend finde ich den veränderten Ausdruck von Irys.
Früher wirkte sein Blick oft unruhig und angespannt. Häufig war das Weiße im Auge sichtbar, manchmal fiel er regelrecht in eine Starre.
Heute sehe ich:
mehr Ruhe,
mehr Selbstvertrauen,
mehr innere Balance.
Und genau daran erkennt man oft am deutlichsten, wie es einem Pferd wirklich geht.
Was mich immer wieder berührt
Ich bin jedes Mal aufs Neue beeindruckt, wie schnell Pferde trotz schlechter Erfahrungen wieder Vertrauen fassen können, wenn man ihnen zuhört, ihre Sorgen ernst nimmt und ihre Grenzen respektiert.
Irys hat einen unglaublich tollen Charakter. Er hat sich auf mich eingelassen und lernen dürfen, dass Menschen auch Sicherheit geben können.
Nach drei gemeinsamen Monaten fiel es mir ehrlich gesagt schwer, ihn wieder nach Hause gehen zu lassen. Gleichzeitig bin ich unglaublich stolz auf ihn und auf das, was wir gemeinsam erreicht haben.
Danke
Ein herzliches Dankeschön an seine Besitzerin für das Vertrauen in mich.
Danke, dass du Irys trotz seiner Vorgeschichte aufgenommen hast und ihm ein faires, liebevolles Zuhause schenkst. Genau solche Menschen machen für Pferde den entscheidenden Unterschied.
Ich wünsche euch von Herzen alles Liebe!🧡

