top of page

Blickschulung - Stress erkennen und Tipps für den Alltag


Viele Pferdemenschen achten vor allem darauf, ob eine Übung funktioniert.

Geht das Pferd rückwärts? Bleibt es stehen? Läuft es über die Plane? Trabt es am Zirkel?


Wenn dein Pferd bei mir im Training steht oder du einen Tageskurs bei mir buchst, geht es nicht nur darum, dass eine Übung ausgeführt wird, sondern: Wie wird die Übung denn ausgeführt ?


Hier siehst du anhand der Vergleichsbilder, warum es so wichtig ist, wirklich genau hinzusehen.



Ein korrektes Ausführen von Übungen oder ein scheinbar „braves“ Stehen bedeutet nicht automatisch, dass ein Pferd innerlich losgelassen und entspannt ist.


Manchmal wirken Pferde bei Übungen brav, kooperativ und „funktionierend“. Auf den ersten Blick scheint alles richtig zu sein. Doch beim genaueren Hinsehen zeigen sich oft kleine Hinweise, dass das Pferd unter Spannung steht:

• eine angespannte Maulpartie

• wenig Blinzeln

• kein Ohrenspiel

• innere Anspannung

• ein insgesamt angespannter Gesichtsausdruck


Das Pferd macht mit – aber es ist nicht wirklich entspannt.


WICHTIG: Genau deshalb kommen manche Reaktionen scheinbar „aus dem Nichts“.


In Wahrheit hat das Pferd meist schon viel früher lange gesagt:„Ich fühle mich unwohl.“

Die Ursachen können psychischer Natur sein – zum Beispiel Überforderung, Unsicherheit oder Stress.

Genauso können aber auch körperliche Ursachen wie Schmerzen, Magenprobleme oder Verspannungen dahinterstecken.


Unser Basis ist nicht einfach Gehorsam, sondern echte Losgelassenheit. 💚

✅ eine weiche Maulpartie

✅ mehr Kauen und Schlecken

✅ häufiges Blinzeln

✅ ein zufriedener, harmonischer Gesichtsausdruck

✅ ein Pferd, das sich sowohl körperlich als auch mental wohlfühlt


💡 Merke:Ein „braves“ Ausführen von Übungen heißt noch lange nicht, dass dein Pferd wirklich entspannt ist – weder mental noch körperlich. Deshalb lohnt es sich immer, genau hinzusehen.



Ich beobachte deshalb sehr viel den Ausdruck des Pferdes. Es gibt viele kleine Zeichen, die dir unglaublich viel über dein Pferd verraten können.


Für mich steht immer zuerst eine entspannte Psyche im Vordergrund. Denn wenn dein Pferd innerlich unter Stress steht oder Schmerzen hat, macht jedes weitere Training langfristig keinen Sinn.


Hier eine kleine Liste von ersten Anzeichen, dass etwas nicht stimmt:


  • Veränderte Atmung (schneller, flacher oder angehalten)

  • Weniger Blinzeln (starrer Blick)

  • Hochgezogene Unterlippe

  • Feste Maulpartie (kein oder sehr wenig Kauen)

  • “Sorgenaugen” 

  • Feste, angespannte Ohren (wenig Bewegung, nach vorne „fixiert“ oder starr nach hinten)

  • Große, geweitete Nüstern

  • Weit aufgerissene Augen

  • eingeklemmter Schweif




3 Tipps die du im Alltag umsetzen kannst:


1. Lerne die Signale richtig zu deuten und beobachte dein Pferd genau


Die oben genannten Anzeichen können sowohl auf Stress als auch auf Schmerzen hinweisen.

Zeigt dein Pferd diese Merkmale nur in einer ganz bestimmten Situation oder bei einer bestimmten Übung, spricht vieles dafür, dass genau diese Situation Stress auslöst oder dein Pferd damit überfordert ist.


Treten die Anzeichen jedoch dauerhaft auf oder immer beim Satteln, Gurten oder Reiten, sollte auch an mögliche körperliche Ursachen gedacht werden. Vielleicht drückt der Sattel, dein Pferd hat Schmerzen im Rücken oder Magenprobleme.


Je besser wir hinschauen, desto besser können wir die Ursache finden – anstatt nur das Verhalten zu korrigieren.

Denn lediglich das Verhalten zu verändern, ist meiner Meinung nach nicht nachhaltig und funktioniert auch oft nicht.


Finden wir jedoch die Ursache, entstehen viele Probleme erst gar nicht und wir bekommen ein Pferd, das gerne mit uns zusammenarbeitet.


2. Lobe die Bemühung – nicht erst das Endergebnis


Pferde sind unglaublich fein in ihrer Wahrnehmung.

Viele warten mit dem Lob, bis die Übung perfekt gelungen ist. Dabei entstehen die wichtigsten Lernmomente schon viel früher.


Möchtest du dein Pferd zum Beispiel rückwärts schicken, kannst du bereits den ersten Gedanken in die richtige Richtung loben. Vielleicht spannt es die Brustmuskulatur an oder verlagert das Gewicht nach hinten.

Genau diese kleinen Bemühungen dürfen bereits gelobt werden, nicht erst die 5 Schritte rückwärts.


Es gibt unzählige Möglichkeiten, dein Pferd für kleinste Schritte zu loben. Dadurch fühlt es sich verstanden, gesehen und arbeitet mit mehr Motivation und Freude mit.


3. Sei klar und berechenbar

Konsequent bedeutet nicht, streng oder grob zu sein.

Konsequent bedeutet, für dein Pferd verständlich und vorhersehbar zu sein.


Wenn du jedes Mal ein anderes Signal zum Antraben gibst, deine Körpersprache ständig anders einsetzt oder unterschiedliche Stimmkommandos verwendest, wird es für dein Pferd schwer zu verstehen, was du eigentlich möchtest. Viele Pferden werden dann frustriert.

Versuche deshalb, deine Hilfen gleich aufzubauen. Nutze dieselben Stimmkommandos, dieselbe Körpersprache und einen wiederkehrenden Ablauf.


Je berechenbarer du für dein Pferd wirst, desto mehr Sicherheit gibst du ihm.



Für mich ist es wichtig, beim Aufbau einer guten Basis nicht nur auf das Ergebnis zu schauen, sondern vor allem darauf, wie man dorthin gelangt.


Für eine vertrauensvolle Beziehung mit unserem Pferd heißt es deshalb: erste Spannungen erkennen und Bemühungen sehen und zu loben.


Denn ein Pferd, das sich verstanden fühlt, lernt nicht nur leichter – es arbeitet auch mit mehr Vertrauen, Gelassenheit und Freude mit uns zusammen. 🧡




 
 
bottom of page